4. Der Corktown Campus von Ford: Beginnt hier die Revitalisierung Detroits?
Es ist eigentlich nichts, worauf die Stadt Detroit stolz sein kann, aber es gibt nicht viele amerikanische Städte, die mehr Gelegenheiten für die Nachnutzung bieten. Tausende leerstehende Gebäude zeugen von dem verheerenden wirtschaftlichen Niedergang, der auf die Verlagerung der Produktion der Automobilindustrie aus der Stadt folgte.
Nicht zuletzt dank erheblicher Investitionen im Zentrum hat sich die Stadt in den letzten Jahren jedoch zu einem Modell für den wirtschaftlichen Wiederaufschwung entwickelt. Zu den bekanntesten Projekten gehört der ambitionierte Plan der Ford Motor Company, die altehrwürdige Michigan Central Station in Detroits Stadtteil Corktown in einen riesigen „Innovationscampus“ mit einer Nutzfläche von über 100.000 m² umzuwandeln. Mit dem Projekt sollen 2.500 Mitarbeitende in die Gegend gelockt und 2.500 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.
Der Entwurf für das knapp 12 Hektar große, öffentlich zugängliche Gelände, dessen Mittelpunkt das Bahnhofsgebäude bildet, stammt federführend von dem Büro für Architektur und strategische Stadtentwicklung PAU. Unter Wahrung der Geschichte des Areals werden die heutigen Bedürfnisse der Einwohnerinnen und Einwohner und der ansässigen Unternehmen in den Vordergrund gestellt, während gleichzeitig eine geschickte Verbindung zu den umliegenden Vierteln und der Stadt hergestellt wird.
Damit aus dem Bahnhof, für den der Zug bereits vor 30 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes abgefahren zu sein schien, ein riesiger Campus für Elektromobilität und urbane Mobilitätslösungen entstehen kann, muss das von den Elementen stark gebeutelte Gebäude nun zunächst trockengelegt werden.
5. LEED-zertifiziertes Wohnen in Wänden, in denen Luftfahrtgeschichte geschrieben wurde
Der Komplex Roebling Lofts in Trenton im US-amerikanischen Bundesstaat New Jersey ist ein Musterbeispiel für die nachhaltige Umnutzung von Gebäuden. Das Gebäude gehörte einst zur Drahtseilfabrik John A. Roebling’s Sons Co. Hier wurden die Seile für viele der großen Hängebrücken hergestellt, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten gebaut wurden – darunter so berühmte Bauwerke wie die George Washington Bridge in New York City und die Golden Gate Bridge in San Francisco. Das Unternehmen Roebling’s Sons Co. lieferte sogar die Drahtseile für die Spirit of St. Louis – das legendäre Langstreckenflugzeug, mit dem Charles Lindbergh 1927 den Atlantik überquerte.
Das 1917 errichtete Gebäude war für die damalige Zeit eine moderne Produktionsstätte mit extragroßen Fenstern und hervorragendem baulichen Brandschutz. Das Architekturbüro Clarke Caton Hintz verwandelte das Industrieobjekt nun in einen zeitgemäßen Komplex mit gemischter Nutzung. Um das Projekt trotz seiner Einstufung als Industriedenkmal so nachhaltig wie möglich zu gestalten und Steuererleichterungen nutzen zu können, fand eine enge Zusammenarbeit mit dem National Park Service statt. Während das Außenmauerwerk sowie die Stahl- und Holzrahmenkonstruktion des Gebäudes erhalten blieben, konnten die Architekten auch Solarenergieanlagen und recycelte Materialien einsetzen. Auch originale Anlagen aus dem Werk, darunter eine Maschine für die Prüfung von Drahtseilen, werden in gemeinschaftlich genutzten Bereichen ausgestellt. Das Projekt erhielt das LEED-Gold-Zertifikat und erreichte 10 von 10 Punkten für die Wassereffizienz sowie eine besonders hohe Umweltqualität in Innenräumen.
6. Das Jaffa Hotel in Tel Aviv verbindet acht Jahrhunderte Architektur
Für den visionären Architekten und Designer John Pawson und den Architekten und Denkmalpfleger Ramy Gill war das Tel Aviv Jaffa Hotel fast schon eine monumentale Liebeserklärung. Es dauerte ein Jahrzehnt, um Jaffas historisches Kloster der Josefsschwestern und das angrenzende ehemalige französische Krankenhaus aus dem 19. Jahrhundert zu restaurieren, zu renovieren und in Boutique-Hotel und Wohnungen für die Marke W Hotels zu verwandeln. Das Ergebnis ist eine einzigartige Mischung aus klassischen Stilen der arabischen und neoklassischen Architektur mit zeitgenössischen Elementen und würdigt die historische Ästhetik des Gebäudes mit freigelegten Wänden, an denen sich die Patina von Generationen zeigt. Das einzigartige I-Tüpfelchen des Projekts war am Ende dem Zufall geschuldet: Bei Aushubarbeiten entdeckten die Arbeitenden einen alten Innenhof und eine Bastionsmauer aus der Zeit der Kreuzzüge im 13. Jahrhundert. Die bedeutenden Bodendenkmale konnten erhalten werden und bilden einen spektakulären Blickfang im neuen Gebäude.
7. Google sichert sich attraktives Grundstück in Los Angeles. Darauf steht ein kultiges Einkaufszentrum
Für eine ganze Generation von „Angelanos“ war das Einkaufszentrum Westside Pavilion einer der angesagtesten Orte in Los Angeles überhaupt. Das 1985 eröffnete Wahrzeichen im Westen der US-amerikanischen Stadt war jahrzehntelang ein Ort gewaltiger kultureller Anziehungskraft, der in unzähligen Filmen, Fernsehsendungen und Musikvideos auftauchte. Der ursprüngliche Entwurf stammt von dem Architekten Jon Jerde, der vor allem für seine Bauten für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles und seine grandiosen Einkaufszentren wie die gigantische Mall of America in Minnesota bekannt ist. Wirtschaftlich ging es mit dem Standort zuletzt bergab, bis er 2018 geschlossen wurde.
Der Projektentwickler Hudson Pacific Properties plant inzwischen, das gewaltige dreistöckige Gebäude unter dem Namen One Westside zu einem High-Tech-Mehrzweckkomplex mit gut 54.000 m² Grundfläche umzubauen, der hauptsächlich den Tech-Giganten Google beherbergen wird. Der umgerechnet 410 Millionen Euro teure Totalumbau, der 2022 abgeschlossen sein soll, wird radikale Neuerungen mit sich bringen, darunter Terrassen und Innenhöfe mit faltbaren Glaswänden, die – ähnlich wie in Fußballstadien mit verschließbarem Dach – eine wetterflexible Arbeitsumgebung fördern sollen.
Dabei ist der Umbau des Einkaufszentrums nur ein Beispiel für die zunehmende Präsenz des Tech-Giganten in Los Angeles. Google hatte zuvor bereits den Spruce-Goose-Hangar-Komplex in Playa Vista in Büro- und Produktionsräume für seine YouTube-Abteilung umgewandelt. Apropos YouTube: Falls Sie traurig sind, dass das goldene Zeitalter der Einkaufszentren vorbei ist, bleibt das Westside Pavilion Shoppingcenter für immer im Musikvideo zu „Free Fallin“ von Tom Petty verewigt und ist natürlich auch auf der Plattform zu finden.