Bestätigen kann das Andreas Tomaschewski, Chief Digital Officer des Architekturbüros Kohlbecker Gesamtplan GmbH. Im Gespräch mit Redshift sagt Tomaschewski: „Schon in den 80er-Jahren hatten wir den ersten Großrechner im Büro, vor 15 Jahren haben wir BIM eingeführt und vor drei Jahren begonnen, bisherige Strukturen auf den Kopf und auf den Prüfstand zu stellen, um unser Büro zukunftsfähig zu machen.“ Mit externer Beratung habe Geschäftsführer Matthias Kohlbecker sein Unternehmen analysiert, 30 Prozent der Belegschaft seien an den Restrukturierungsmaßnahmen beteiligt gewesen.
Und hier knüpft die zweite Phase von Kurt Lewins Modell an. Unter „Moving“ versteht er die tatsächliche Umsetzung der Wünsche oder Notwendigkeiten. Software oder Maschinen werden implementiert, unter Umständen von externen Spezialisten betreut und im besten Fall parallel zum Geschäftsgeschehen in den Alltag integriert.
In einer dritten Phase, dem „Refreezing“, wird schließlich sichergestellt, dass die Veränderung Bestand hat. Das erfordert ein konstantes Beobachten, Analysieren und Dokumentieren der neuen Arbeitsabläufe, Feedback-Runden mit Mitarbeitern und ergänzende Trainings oder Schulungen. Bei Kohlbecker funktionieren Tragwerksplanung, Standortanalysen, Energie-Effizienz-Beratungen und Projektkommunikation seither zunehmend mithilfe digitaler Technologien wie dem Dokumentmanagement-System Autodesk BIM360 und Office365.
„Digitalisierung ist keine Option, sondern ein Muss“, sagt Tomaschewski. „Es gibt keine Alternative. Die Baubranche ist sehr langsam in dieser Hinsicht, aber auch hier kommt der Wandel allmählich an.“ Gerade in Zeiten der Corona-Krise, in denen Maßnahmen gegen die weitere Verbreitung des Virus zur Heimarbeit, wenn nicht anders möglich, verpflichtet, profitierten Architekturbüros davon, frühzeitig auf digitale Kommunikationstools umgestellt zu haben, so Tomaschewski. Auch Krisenmanagement ist Change Management. Allerdings unter extrem hohen Druck. Da überwiegt am Ende das Bangen und die Ungewissheit darüber, welchen Neuzustand die Veränderung bringen wird. In der langfristig geplanten digitalen Transformation hingegen – ohne dem Druck einer Krise ausgesetzt zu sein – liegt die Hoffnung immer auf der Verbesserung.