Gearhart und Valtcheva-McGee sind sich einig, dass die Akkreditierung als LEED AP lediglich der erste Schritt in einem anhaltenden Lernprozess sei. „Für viele Architekten wirkt die Akkreditierung als Katalysator“, wie Valtcheva-McGee sagt. Indem sie einen Überblick über verschiedene Aspekte des umweltfreundlichen Bauens verschaffe, fühlten sich viele Architekten zu einer eingehenderen Beschäftigung mit dem einen oder anderen dieser Aspekte motiviert.
„Für Architekten, die über den Erwerb und die Verlängerung ihrer LEED-AP-Akkreditierung hinaus ihre Kenntnisse in einem bestimmten Bereich des umweltfreundlichen Bauens vertiefen wollen, stehen zahlreiche Ressourcen zur Verfügung“, bekräftigt Gearhart, die eng mit dem GBCI zusammengearbeitet hat. Es bestehe auch die Möglichkeit, weitere Akkreditierungen zu erwerben – als Beispiele nennt Gearhart die Living Building Challenge, PEER, WELL, SITES und GRESB.
Was sagen also die Buchstaben „LEED AP“ hinter Ihrem Namen aus? Nun, zumindest, dass Sie über Grundkenntnisse im Bereich umweltfreundliches und energiesparendes Bauen verfügen. Ob Sie die mit der Akkreditierung verbundene Aufforderung annehmen, auf diesem Gebiet Führungskompetenzen zu entwickeln und Ihre Kenntnisse in Ihrer Berufspraxis auf ein noch höheres Niveau zu bringen, bleibt Ihnen selbst überlassen.
Indes hinterfragen LEED-Kritiker, ob sich der Kostenaufwand und die anhaltende Verpflichtung zur Weiterbildung tatsächlich lohnen. „Im besten Fall weisen diese grünen Gebäude bei der Einsparung von Primärenergie eine Leistungsbilanz auf, die weder besser noch schlechter ist als bei entsprechenden Gebäuden ohne LEED-Zertifizierung. Staatliche Maßnahmen, die zu ihrem Bau verpflichten, sind daher höchst umstritten und werfen Fragen bezüglich effektiver Methoden zur Reduzierung des Energieverbrauchs in Gebäuden auf“, moniert John H. Scofield, der als Professor für Physik am Oberlin College lehrt und Beiträge für die Plattform Brink News verfasst.
In einem Beitrag für das Fachportal ArchDaily argumentiert der Architekt Steve Mouzon zudem, die LEED-Kriterien lüden zum Schummeln ein, da auch eher nebensächliche Aspekte in die Bewertung eingingen und die Gesamtanzahl der erworbenen Punkte daher wenig über die tatsächliche Umweltfreundlichkeit eines Gebäudes aussage: „So kann man etwa für das Anbringen eines Fahrradständers fast genauso viele Punkte einheimsen wie für den Erhalt eines ganzen historischen Gebäudes.“