Über die vergangenen Jahrzehnte schien die Film- und Videoproduktion von dem Leitsatz „Das haben wir schon immer so gemacht!“ geleitet worden zu sein. Die Prozesse sowie die verwendeten Technologien sind jedoch für verschiedene Unternehmen oft sehr unterschiedlich, was es den beteiligten Studios durch isolierte Arbeitsabläufe und Schwierigkeiten, Dateien zu teilen, unmöglich macht, einfach und erfolgreich an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Wenn sich die Branche allerdings auf die Verwendung offener Standards einigen könnte, hätte das für alle Beteiligten entscheidende Vorteile – nicht nur in Form einer Verbesserung der einzelnen Arbeitsabläufe, sondern auch für ein branchenweites Wachstum.
Offene Standards einzuführen und umzusetzen, ist allerdings ein Gemeinschaftsprojekt, das alle Beteiligten gleichermaßen fordert. Deshalb hat Autodesk mit anderen führenden Unternehmen der Medienbranche die Academy Software Foundation (ASWF) gegründet, eine Stiftung zur Entwicklung eines rechtlichen Rahmens und der Verwaltung mehrerer Open-Source-Projekte. Diese umfassen etwa MaterialX, ein Tool für Erstellung und Rendering unterschiedlicher Oberflächen und Materialien, oder Open Timeline IO, eine Open-Source-API zur redaktionellen Sequenzierung. Diese gemeinsame Bestrebung stellt mittels ausgeklügelter Kontrollen und Gegenkontrollen sicher, dass die Software den höchsten Qualitätsanforderungen standhält, regelmäßig getestet wird und auf allen verfügbaren Plattformen funktioniert.
Gemeinschaftliche Projekte wie diese ermöglichen große Fortschritte bei zielorientierten offenen Standards und Open-Source-Anwendungen: OpenPBR zum Beispiel, eine Kollaboration von Autodesk und Adobe, ist ein frei zugängliches Schattierungsmodell, das Kreativschaffenden eine künstlerfreundliche Brücke von einer Softwareumgebung zur anderen bietet. Da außerdem mit OpenRV die Software für Medienprüfung und -wiedergabe offen zugänglich ist, konnte Autodesk durch die Code-Beiträge zusammen mit xStudio von DNEG und itview von Sony Pictures Imageworks die Open Review Initiative – eine Art Testprojekt der ASWF-Stiftung zur Entwicklung eines einheitlichen, quelloffenen Toolsets für die Wiedergabe, Überprüfung und Genehmigung von Medien – entscheidend prägen.
Darüber hinaus hat sich Autodesk jüngst mit Pixar, Adobe, Apple, NVIDIA und der Joint Development Foundation zusammengetan und die Alliance for Open Universal Scene Description, kurz: AOUSD, gegründet. Pixar setzt Universal Scene Descriptions (USDs) bereits seit 2016 ein und seit 2023 besteht mit OpenUSD durch eine einheitliche Kodifizierung ein offizieller offener Standard. USDs ermöglichen durch die Interoperabilität von Tools und den Austausch von 3D-Informationen die Erstellung verschiedener und vielschichtiger Visualisierungen, daher ist es sinnvoll, sie als offenen Standard zu verwenden, wie die komplexe Szenerie in Land der Toten im Pixar-Film Coco – Lebendiger als das Leben! veranschaulicht – jedes einzelne dort ausgespielte Element ist ein USD-Asset.
USDs sind so flexibel und effektiv, dass einige Studios sie schon seit vielen Jahren erfolgreich verwenden. Allerdings werden sie häufig in unterschiedlichen Umgebungen eingesetzt, sodass sich Arbeitsabläufe zwischen verschiedenen Anwendungen nicht gut vereinheitlichen lassen. Das Ziel von AOUSD ist es daher, die Verwendung von USDs zu dokumentieren und zu standardisieren, um die Interoperabilität von Software und Pipelines in der Branche zu optimieren. Da OpenUSD die Nutzung von USDs auf diese Weise formalisiert, können sich Kunstschaffende ganz der Verwendung ihrer Lieblingstools für die jeweilige kreative Aufgabe widmen, ohne sich dabei um die zugrundeliegenden Details sorgen zu müssen.