Hart hat einen zwölfwöchigen Kurs über additive Fertigungstechniken für innovative Konstruktionen und Produktionsverfahren entwickelt, der sich an Fachkräfte richtet. „Darin werden die Grundlagen und die Anwendungen des 3D-Drucks vermittelt. Die Zielgruppe sind Ingenieure, Manager, Geschäftsführer und Fertigungsmitarbeiter“, erläutert der Initiator. „Das Interesse ist groß. Von der frischgebackenen Ingenieurin bis hin zu leitenden Angestellten möchten alle lernen, wie ihr jeweiliges Unternehmen von Anwendungen der 3D-Druck-Technologie profitieren könnte. Bisher haben rund 5.000 Menschen den Kurs absolviert. Einige von ihnen haben gerade eine neue Position übernommen und möchten den 3D-Druck in ihrem Unternehmen voranbringen.“
Hart lehrt auch die Grundlagen der Fertigungsprozesse – wiederum in einem speziellen offenen Online-Format, dem sogenannten „Massively Open Online Course“ (MOOC). Der Kurs bietet eine breite Einführung in Fertigungsprozesse und ist eine Art Online-Version der Vorlesungen über Fertigungsprozesse, die er für die Studierenden am MIT hält. Auch an diesem Grundlagenkurs, der sich eher an Einsteiger in die Materie richtet, haben in den letzten Jahren Tausende Menschen aus der ganzen Welt teilgenommen. Mehr als 400 von ihnen haben ihn mit einem MITx-Zertifikat abgeschlossen.
„Dennoch lassen sich viele dieser Themen in der Theorie nicht vollständig vermitteln. Die Programmierung eines Roboters oder die Durchführung eines Festigkeitsversuches sind Dinge, die man praxisnah ausprobieren muss“, sagt er. „Natürlich kann man an einem tollen Online-Kurs teilnehmen und dort auch Fragen stellen. Ohne praktische Anwendung werden dabei jedoch kaum ausreichende Kompetenzen aufgebaut. Da unsere Studierenden während der Corona-Pandemie alle online lernen müssen, sammeln wir derzeit viele Erkenntnisse darüber, was in puncto digitales Lernen effektiv ist und was nicht. Dabei muss nicht nur geklärt werden, wie man sich in Videokonferenzen oder Chaträume einwählt. Man muss sich darauf einstellen, den Studierenden Dinge zu schicken und sie mit modernsten Software-Tools zu begeistern. Dann genießen sie auch außerhalb des Campus oder der Werkhalle ein motivierendes Lernerlebnis.“
Dabei setzt Hart auch auf Techniken, die die Online-Lernerfahrung spannender machen können. So hat es sich beispielsweise bewährt, die Studierenden dafür zu sensibilisieren, wie die Fertigung ihr eigenes erlebbares Umfeld beeinflusst. „Wir bitten die Studierenden, sich zu Hause umzusehen. Sie sollen einen Gegenstand suchen, der im Spritzgussverfahren gefertigt wurde, ein Gussteil oder ein Teil aus Blech“, erklärt Hart. „Wenn sie es auseinandernehmen und Fotos vom Aufbau machen und die erforderlichen Festigkeiten berechnen, kann dies für sie eine lebensnahere Lernerfahrung sein.“
Hierbei handelt es sich um Weiterbildungskurse. Wenn man sie absolviert, führt dies nicht zu einem akademischen Grad, wenngleich man ein Zertifikat des Instituts erhält. „Ein Zertifikat vom MIT hat definitiv einen Wert“, ist sich Hart sicher. „Ich bin stolz darauf und möchte dem Ruf der Einrichtung gerecht werden.“
Ginge es nach Hart, so könnten die verschiedensten Institutionen beim Aufbau fehlender Kompetenzen eine Rolle spielen. „Ich hoffe, dass es in Zukunft eine engere Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen unterschiedlicher Größe und Standorte geben wird“, betont er und nennt sein Land als Beispiel: „Die Community Colleges werden eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, dem Fachkräftemangel in der Fertigung zu begegnen und die Arbeitnehmerschaft zukunftsfähig aufzustellen.“